Die Redakteure Matthias Körnich (WDR) und Denise Langenhan (MDR) im Interview

Elegant, schweigsam und doch für jede Menge fantastischer Überraschungen gut – Pan Tau (Matt Edwards)
legant, schweigsam und doch für jede Menge fantastischer Überraschungen gut – Pan Tau  | Bild: ARD/Caligari/Film2020

Drei Fragen an die Redakteure Matthias Körnich (WDR) und Denise Langenhan (MDR)

Was verbinden Sie persönlich mit der Originalserie Pan Tau?

Matthias Körnich: Pan Tau gehört definitiv zu meinen prägenden medialen Kindheitserinnerungen. Natürlich war die fantastische Zauberei mit viel Humor, das Spannende und ich habe gehofft, dass so etwas wirklich möglich ist. Den Melonen-Move habe ich daher immer wieder geübt, leider ohne Melone und entsprechend erfolglos. Neben den klassischen Szenen wie den sprechenden Karpfen sind mir auch die Stopptrick-Animationen mit der kleinen Pan Tau-Figur in Erinnerung geblieben. Faszinierend fand ich außerdem schon damals die Kombination aus stilvollem Auftritt und Anarchie, die sich auf überraschende Weise gegen Fantasielosigkeit richtet. Inzwischen habe ich mir übrigens tatsächlich eine Melone angeschafft … mal sehen.

Denise Langenhan: Tatsächlich habe ich mich mit Pan Tau erst bewusst befasst, als ich in die Stoffentwicklung für die Neuauflage eingestiegen bin. Pan Tau wurde als „Die Abenteuer des Herrn Tau“ 1973 auch in der DDR ausgestrahlt, da war ich noch nicht auf der Welt. Trotzdem war mir die Figur des Mannes mit der Zaubermelone immer ein Begriff. Ich bin mir sicher, dass ich als Kind die eine oder andere Folge gesehen habe. Heute fasziniert mich die psychologische Dimension des Originals: Als unmaskierter anarchischer und poetischer Verbündeter der Kinder führt Pan Tau die Absurdität und Eintönigkeit einer genormten Erwachsenenwelt vor, um – nicht nur, aber auch – diese aufzubrechen und so das „innere Kind“ der Erwachsenen zu befreien. Am Ende steht für die Figuren Versöhnung – sowohl mit sich selbst als auch zwischen den Generationen.

Was ist das Besondere an der Dramaturgie der Neuauflage?

Matthias Körnich: Es gab eine ganze Reihe Herausforderungen. Besonders spannend war dabei, dass sich im Vergleich zu früher die Konfliktlinien, insbesondere zwischen den Generationen, verschoben haben. Während sich damals Erwachsene und Kinder in zwei komplett verschiedenen Welten bewegten, könnte sich heute der Opa die Sneaker vom Enkel ausleihen, ohne dass es seltsam wirkt. Pan Tau konnte damals eine Brücke zwischen den Generationen bauen. Heute sind die Grenzen unschärfer und man muss genauer schauen, wo Konflikte verlaufen. Manchmal sind Kinder erwachsener als die Erwachsenen und müssen lockerer werden. Auch die Perspektiven haben sich verschoben:Während damals niemand Böses dachte, wenn ein erwachsener Mann mit Kindern unterwegs ist, muss man da heute deutlich sensibler sein.

Denise Langenhan: Pan Tau ist eine episodisch erzählte Serie, das ist gewiss nichts Besonderes, aber es ist nicht unbedingt selbstverständlich in einem von horizontal erzählten Serien dominierten Umfeld. Dennoch gibt es einen Kosmos, der alle Episoden verbindet: Die Kids an der Westpark-Schule und ihre Familien bilden ein großes Ensemble, das uns durch die gesamte Staffel begleitet. In jeder Doppelfolge sind wir in einer anderen Familie zu Gast, lernen diese aber auf zwei Einzelfolgen verteilt aus unterschiedlichen Perspektiven kennen. Außerdem vermittelt das Ensemble ein diverses Gesellschaftsbild, auch wenn es im Grunde eine Fantasyserie ist.

Warum brauchen wir eine Figur wie Pan Tau heutzutage noch?

Matthias Körnich: Pan Tau ist eine Mischung aus Momo und Dr. Who, er versucht die Welt zu heilen, weil er eine ganz besondere Perspektive hat, denn er kommt nicht von dieser Welt. Er ist eine durch und durch positive, optimistische Figur, von denen es zur Zeit in Serien viel zu wenige gibt. Er hört zu, beobachtet und zieht seine ganz eigenen Schlüsse. Er ist kein Besserwisser, sondern derjenige, der uns auf ungewöhnliche Weise den Blick erweitert und eine neue Sichtweise eröffnet. Denn gerade in dieser Welt voller Möglichkeiten sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht und klammern uns an Gewissheiten, die gar nicht mehr so gewiss sind. Auch zuhören haben wir zunehmend verlernt, vielleicht, um unsere eingefahrene Weltsicht nicht zu gefährden. Und schließlich erlaubt uns Pan Tau, wieder etwas verrückter zu sein.

Denise Langenhan: Im Grunde ist Pan Tau eine zeitlose, archetypische Figur. Trickster, Narr – wie auch immer man ihn in seiner Funktion nennen will. Diesen Archetyp gibt es in vielen Märchen und Mythen unterschiedlichster Kulturen. Er reflektiert das menschliche Bedürfnis nach Komik – Lachen als Befreiung. Mittels Anarchie und Chaos hält er uns einen Spiegel vor. Im besten Fall können wir dann über uns selbst lachen. Dieses Bedürfnis nach Befreiung durch Komik wird immer bleiben. Das macht den Narren und so auch Pan Tau unsterblich.